Mittwoch, 2. Juli 2008

Enttäuscht

Hm, bin ich wirklich so heikel, was das Thema Kinderbetreuung angeht?
Heute: Jakobs erster Kindergartentag. Kurz vor 9 h waren wir dort, haben uns gleich mit einer anderen Anfänger-Mama unterhalten und um 10 nach 9 kam dann endlich die Kindergartenleiterin. Sie nahm uns mit in die Gruppe von Gabi (der stellvertretenden Leiterin), in welcher Jakob das nächste halbe Jahr verbringen wird.

Dort saßen die Kinder gerade bei Tisch und aßen das "Gabelfrühstück" - welches aus Karotten, Gurken und Vollkornbroten mit Streichwurst bestand. Jakob hat sich gleich zu den Kindern gesellt und mitgegessen. Er war gar nicht schüchtern, aber auch nicht so zugänglich, wie ich es von ihm gewohnt bin.

Ich hab ihn die ganze Zeit beobachtet - und natürlich auch die anderen Kinder. Eins nach dem anderen hat entweder zu schreien, quietschen, weinen oder herumrennen begonnen, während gegessen wurde. Die Praktikantin hatte jede Menge zu tun, um Ordnung in den Kinderhaufen zu bekommen, während Gabi sich gemütlich mit einer anderen Mutter, die ihr Kind gerade gebracht hatte, unterhielt. Sehr merkwürdig. Die Praktikantin Hannah streckte dann ihre Hand gen Himmel, rief: "Wer hat den großen Schlüssel??" Die Kinder alle ganz begeistert: "IIIICCCCHHH!" Daraufhin Hannah: "Also sperren wir damit den Mund zu und stecken den Schlüssel schnell in die Hosentasche." Gut, das muss ich mir merken, hat nämlich geholfen - für ein paar Sekunden zumindest, ehe Gabi ein Machtwort sprach und die Kinder ihre Teller abräumten...

Danach wurde gespielt. Jakob hat sich mit einem anderen Jakob und Dennis zu den Eisenbahnschienen gesetzt und begonnen, aufzubauen. In der Zwischenzeit gabs wieder Gebrüll von einem Buben, der auf dem Stiegengeländer, das zur Kuschelecke führt, herumkletterte, die anderen Kinder gehaut und sich nur noch aufgeführt hat. Ein anderes Mädchen hat sich ihren Schnuller und ihre Kuschelwindel geschnappt während wieder ein anderer Zwerg sich den Kopf an der Tür gestoßen hat und einen riesen Weinanfall bekommen hatte.

Ich war allein vom Zusehen schon ziemlich erschöpft. So ein chaotischer Kinderhaufen ist mir noch nicht untergekommen... Jakob hats gelassen genommen und sich mit ein paar anderen Kindern zum Malen an den Tisch gesetzt. Kaum waren die Kinder alle so halbwegs beschäftigt, ruft Gabi in die Gruppe: "So, wir räumen dann auf und gehen ein bisschen in den Garten!" Wieder Chaos pur, Spielsachen wurden geschmissen, drei Zwerge mussten gleichzeitig aufs Klo etc.

Als endlich alle ihre Schuhe anhatten und gut eingecremt und mit Sonnenhut im Garten angekommen waren, das nächste Theater. Eine Wanne mit Wasser hat alle Kinder magisch angezogen - eh klar. Daraufhin leert die Kindergärtnerin das Wasser aus - mitten in die Wiese, was natürlich eine tolle Lacke ergibt. Die Kids steigen natürlich alle rein und sind patschnass...

Jakob ist ein paarmal gerutscht, hat die Sandkiste ausprobiert und Ball gespielt, als Gabi uns verabschiedet hat. Sie meinte, sie schickt die Kinder in den ersten Tagen gerne dann nach Hause, wenns ihnen gerade am Besten gefällt, damit sie gerne wiederkommen am nächsten Tag. Gut, das hab ich zur Abwechslung mal richtig gut gefunden.

Dennoch war mein Eindruck vom KIGA nicht sonderlich gut. Es scheint alles so unorganisiert zu sein und teilweise herrscht ein richtig militärischer Befehlston. Andererseits hatte ich ja gerade mal eine Stunde lang die Möglichkeit, mir ein Bild von der Tagesstätte zu machen. Mal sehen wies morgen sein wird.

Was bleibt mir außerdem für eine Wahl? Den Vertrag für den Kindergarten haben wir ja schon vor Monaten unterschrieben. Bei der damaligen Besichtigung hatte ich kaum Einblick ins Gruppenleben. Hab heute dennoch herumtelefoniert und mich erkundigt, welche Optionen wir hätten. Die Tagesmutter in der Nachbarortschaft ist ja auch nicht gerade das, was ich mir unter optimaler Betreuung für Jakob vorstelle. Lenas ehemalige Tagesmutter ist voll ausgebucht, gründet allerdings ab September eine Kleinkindergruppe mit allem drum und dran. Doch auch da hat sie für 14 Plätze bereits 18 Anmeldungen. Ich denke zwar, dass es für Jakob schon einen Platz geben würde, weil ja nicht alle Kinder 40 Stunden bleiben, aber trotzdem. Aus dem KIGA-Vertrag kommen wir wohl jetzt nicht mehr raus.

Nach dem KIGA-Besuch war ich noch in meiner Abteilung und hatte ein Gespräch mit meinem Chef. Wir haben uns nun darauf geeinigt, dass ich am 25.8. zurück in die Firma komme. Und er hofft, dass er mich dann in meiner alten Abteilung unterbringen kann und mir somit diesen Personalpool ersparen kann, welcher ja für alle Karenzrückkehrerinnen eingerichtet wurde.

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