Schön langsam zweifle ich wirklich an meinem/unserem Erziehungsstil. Die Kleinen waren 5 Tage bei Oma und Opa in der Steiermark. Mama und ich telefonierten täglich und jedes Mal lobte sie Lena und Jakob bis in den Himmel. zB: Die beiden sind so brav, die streiten nicht, sie umarmen sich ständig und es gibt kein Weinen oder Raunzen.
Gestern Vormittag holten wir die beiden ab. Das Wiedersehen war total schön. Schon als wir die Auffahrt hinauf fuhren winkten uns die Zwerge, waren ganz aus dem Häuschen und konnten es kaum erwarten, bis wir aus dem Auto stiegen. Jakob wollte natürlich wieder nur zur Mama. s'Mannderl hat ihn als erstes erwischt und hochgenommen, da gabs gleich Gebrüll "Nein, Maaaamaaaaaaaa!" Gut, das hatte ich schon vorher erwartet, hab den Zwuck also hochgenommen und er hat sich so gefreut, mich/uns wiederzusehen. Lena kam auch gleich mit dem Dreirad angeflitzt und freute sich, als wir uns knuddelten und drückten.
Mittags gingen wir Pizza essen. Die Kinder waren beide gut gelaunt, bis die Pizza kam. Jakob aß brav und mit großem Appetit sowohl bei mir als auch beim Opa mit. Lena rührte ihre Kinderpizza nicht an, fing ein Geheule und Gekreische an, keiner wusste, was ihr nicht behagte. Sie sagte ja auch nix - Sturschädel wie ich halt. Irgendwann bekam sie scheinbar doch Hunger und aß ein bisschen. Wir marschierten danach noch zum Indoorspielraum beim Leiner, wo die beiden sich ein bisschen austobten. Wir saßen mit den Großeltern einstweilen neben dem Spielraum mit Sichtfenster und Tür beim Kaffee. Ich beobachtete die Kinder und konnte gerade noch erkennen, wie Lena Jakob am Leiberl zerrte, sodass der Zwuck zu weinen begann. Hab sie gleich gefragt, was das denn soll und sie meinte nur, dass sie gar nix gemacht hat. Tja, sowohl ich als auch die Oma sahen aber ganz genau, dass sie ihn am Leiberl richtig zurückgezogen hatte. Warum sie gelogen hat? Keine Ahnung.
Die Heimfahrt verlief anfangs (gewohnterweise) etwas unruhig, Lena weinte nach der Oma, Jakob schlief recht bald ein. Am Abend gabs diesmal gottseidank nicht das "Ich will zurück zur Oma-Geplärre", Lena meinte nur einmal, dass sie bei der Oma viel besser schlafen kann und wachte bis halb zehn ständig wieder auf. Irgendwann kehrte aber gottseidank Ruhe ein.
Heut früh hüpften beide Kinder zu uns ins Bett. Es dauerte nicht lange, da gabs schon das erste Mal Streit zwischen den beiden Lausern. Lapalien, aber ich war gewarnt, dass wohl kein Wunder eingetreten sei und die beiden sich nach wie vor den ganzen Tag in die Haare kriegen werden. Und ich sollte leider Recht behalten. Vormittags gabs immer wieder Kabbeleien, doch den Bock schoß wohl Lena am Nachmittag ab.
Mit Dreirad, Rutschauto, Fußball und Jausenrucksackerl machten wir uns auf zum Spielplatz. Die Kinder hatten großen Spaß mit ihren Fahrzeugen und am Spielplatz gings auch ganz friedlich zu. Bis Lena auf einmal hinter Jakob herrannte und ihm einen mächtigen Stoß verpasste. Der Kleine fiel natürlich der Länge nach hin und als ich zu ihm rannte, blutete er aus dem Mund. Ihm passieren ja laufend solche kleinen Verletzungen, aber soviel Blut wie heute gabs bislang noch nie. Ich brüllte Lena an, was ihr einfällt, den Kleinen so zu stoßen, woraufhin sie natürlich wieder mal zu weinen begann. Ok, meine Reaktion war wohl nicht die Beste, aber mit blutendem Kind am Arm fiel mir in dem Moment bei Gott nichts besseres ein. Der Kleine schrie wie am Spieß. Ich machte seinen Mund sauber, sah dann endlich, dass er sich ordentlich in die Unterlippe gebissen hatte. Mit angeschwollener Lippe und blutverschmiertem Leiberl fing er aber fünf Minuten später wieder an mit Fußballspielen. Also gottseidank halb so wild! Lena hingegen heulte weiter, entschuldigte sich nicht bei Jakob und ich war echt ziemlich sauer auf sie.
Nachdem sie sich einfach nicht beruhigen wollte, beschlossen wir wenig später, heimzugehen. Das war wohl die beste Entscheidung. Beide Kinder fingen an, Puzzle zu bauen, wir aßen Obst und einen Joghurtdrink und es schien wieder heile Welt eingekehrt zu sein.
Und was mich besonders freute war, dass Lena dann irgendwann zu Jakob meinte:
"Jakob, komm her, ich flüstere dir was ins Ohr.... ENTSCHULDIGUNG!"
Da hab ich beschlossen, dass unsere Erziehung ja doch nicht die schlechteste sein kann und bei Oma und Opa halt einfach IMMER alles ANDERS ist.
6 Kommentare:
Die Entschuldigung war aber wirklich süß.
Eigentlich war Dein Bericht wie auch ein Tag in unserem Leben. Es ist heftig, wie sehr die beiden manchmal zanken. Und manchmal haut's einen um, wie lieb die Geschwister miteinander sein können. Freitag haben sie sich im Kindergarten zum Abschied ganz fest umarmt. Ich schmolz dahin...
es ist immer "schön" zu lesen, dass man nicht die einzige ist, deren kinder tageweise ständig am zanken sind *seufz*
die netten momente/stunden/tage machen ja eh meist alles wieder wett - aber als mutter steh ich manchmal hilflos daneben und weiß echt nicht mehr, was ich noch tun kann, um die beiden zu liebevollen menschlein zu erziehen, und nicht zu solchen agressiven zwergen. aber ich denke sowohl das eine als auch das andere gehören halt (leider) zum großwerden dazu.
ich frag mich nur immer, von wem die beiden (der kleien meistens) das hat? sowohl ich als auch GG sind nach erzählungen unserer eltern/großeltern/verwandten engerln gewesen... ob mans glauben kann/darf/soll/muss??
ich glaube, das ist weltweit bei allen omas so: wenn die kinder bei ihnen sind, dann sind sie brav, essen tüchtig und es gibt natürlich keinerlei probleme.
ich behaupte: in 99,9% der fälle ist das eindeutig geschwindelt :)
:-) - erstens würde sich keine Oma die Blöße geben und sagen, dass bei ihr die Enkel frech sind und zweitens testen die Kinder bei euch ihre Grenzen aus, bei der Oma wissen sie, wie weit sie gehen dürfen.
vl. sollt ich mir auch graue haare wachsen lassen? geh ich dann als oma durch? ;-))
Ist es nicht einfach ideal, dass die Kinder zu Hause so schlimm sind und nicht bei Oma und Opa? Mein Enkelsohn ist bei mir immer brav! ;-)
Wenn es anders wäre, dürfte ich's nicht sagen, dass haben wir vereinbart - nicht einmal dem Nikolaus. Ja und wir sind Freunde und Freunde halten sich an Vereinbarungen.
Aber abseits alles Ärgers:"Ist es nicht wunderbar, dass Kinder sich die Umgebung aussuchen oder sich ihr anpassen dürfen?"
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