Sonntag, 21. September 2008

Vier Jahre Lena-Marie

Genau vor vier Jahren waren s'Mannderl und ich bei den damaligen Nachbarn in Wien. s'Mannderl hat mit K. Steckdosen montiert, P. und ich saßen auf der Couch und plauderten beide hochschwanger über Babybodies, Stillen & Co. Um 21 h sind wir nach Hause marschiert, ich verspürte schon die ersten Wehen, hab mich zu Hause in die Badewanne gelegt, um zu testen, ob sie weggehen. Im Gegenteil, sie wurden immer heftiger.

Ich kann mich nicht mehr genau an Lena's Geburt erinnern, darum hier der Geburtsbericht, den ich wenige Tage nachdem sie in unser Leben geschlüpft ist, verfasst habe...

Es ist Dienstag, der 21. September 2004. Noch 2 Tage bis zum Geburtstermin, ich kann es kaum noch erwarten, verbringe Stunden mit anderen wartenden Septembermamis im Forum... Am Vormittag verspüre ich die ersten Wehen. Endlich weiß ich auch, wie sich das anfühlt, ich hatte ja noch keine einzige Senk- oder Übungswehe gehabt. Die Wehen kommen im 7-8 Minuten Abstand, hören zwischendurch immer wieder auf und als ich mich in die Badewanne lege hören sie ganz auf. Toll denke ich mir, wieder nichts. Dreimal öffne ich den Kühlschrank und greife nach einem Fläschchen Rizinusöl, um mir einen Wehencocktail zu mixen. Dreimal stell ich das Fläschchen wieder zurück, ich möchte ja meinem Baby nicht vorgreifen, es soll sich den Geburtstag selber aussuchen. Am Nachmittag fangen die Wehen wieder an, diesmal im 6-Minutentakt. Da sie noch nicht so schmerzhaft sind und auch nicht veratmet werden müssen, denk ich mir nichts dabei, warte bis mein Mann aus der Arbeit kommt und begleite ihn danach zu unseren Nachbarn.

Dort werden die Wehen langsam stärker und mir bleibt ab und zu die Luft weg. Gegen 21 h kommen wir wieder nach Hause und ich mache meinen Mann erstmals darauf aufmerksam, dass die Wehen immer stärker werden. Ein heißes Bad beweist: Diesmal handelt es sich um richtige Wehen, mittlerweile hat sich der Abstand auf 5 Minuten verkürzt und ich rufe im St. Josef KH an. Man möchte ja nicht umsonst ins Spital fahren und am Ende wieder heimgeschickt werden.

Doch die Hebamme meint, wir sollen sicherheitshalber vorbeikommen und sie untersucht mich, Ferndiagnose ist - gerade beim ersten Kind - etwas schwierig. Um 22 Uhr sind wir startklar, mein Mann packt noch schnell die Videokamera und die Digitalkamera ein und wir machen uns auf den Weg Richtung Krankenhaus. Im Auto machen mir die Wehen zu schaffen und ich veratme sie ganz ruhig. Wir sind mittlerweile bei 4 Minuten Abständen angekommen.

Mein Mann wird langsam nervös und meine Gedanken kreisen um die Geburt. Wie wirds sein? Ists heut wirklich schon so weit?Es ist 22:35 Uhr als wir das Aufnahmezimmer erreichen, die Hebamme, Sr. Gudrun, mich um eine Harnprobe bittet und danach meinen Muttermund untersucht. Welch Wunder, er ist schon an die 5 cm geöffnet! Ich werde also stationär aufgenommen, bekomme ein sexy Krankenhausnachthemd verpasst und die Hebamme geht mit uns zu den Kreissälen. Erst meinte sie ich dürfe mir einen aussuchen - meine Wahl fiel auf den blauen - den größten Kreissaal. Sie verzieht das Gesicht und möchte mich dazu überreden, im roten Kreissaal zu entbinden, weil dort das Bett bequem verstellbar ist, was im blauen Kreissaal oft zu Problemen führt. Gut, wir bleiben also im roten Saal, mir egal wo ich gebären werde, Hauptsache ich darf mich wieder hinlegen, beim Gehen sind die Wehen nämlich unerträglich.

Die Hebamme schließt mich ans CTG an und kaum ist der Gurt angelegt, werden die Wehen heftiger. Mein Mann hält meine Hände und versucht, mich vom Schmerz abzulenken, doch ich bin so mit dem Veratmen beschäftigt und höre nur wie die Hebamme mich anweist, langsamer zu atmen, damit mein Baby ordentlich viel Sauerstoff bekommt. Ja, leichter gesagt, als getan. Ich versuche, mein bestes zu geben und hasse mich selbst dafür, keinen Geburtsvorbereitungskurs gemacht zu haben.

Ich hab Angst vorm Fortschreiten der Geburt und keine Ahnung, was noch auf mich zukommen wird. Die Hebamme bietet mir schließlich ein Schmerzmittel an, welches ich dankend annehme. Jaja, ich hab immer gesagt ich möchts ohne schaffen, aber nachdem Sr. Gudrun gemeint hat es wäre überhaupt keine Schande, ein Mittel zu nehmen und sie mich zum zweiten Mal an diesem Tag rumgekriegt hatte, spürte ich schon einen Piekser im Po. Autsch! Besserung spürte ich übrigens keine...

Die Hebamme und mein Mann loben mich abwechselnd wie tapfer ich bin und wie gut ich das alles mache, unsere kleine Lady hats nämlich ganz schön eilig, auf die Welt zu kommen. Und nach wenigen Minuten bin ich schockiert, als Sr. Gudrun meint sie würde schon mal alles für die Geburt vorbereiten. Ich hab keine Ahnung, wie spät es ist, ich spüre nur noch mein Kreuz, das mich fast umbringt. Keine Wehen im Bauch-Schambeinbereich, alles spielt sich im Kreuz ab und ich fang leise an zu fluchen - und das neben einer geistlichen Hebamme, doch in dem Moment ist mir alles egal.

Wenig später ruft die Hebamme die Ärztin, die Geburt steht anscheinend unmittelbar bevor. Ich weiß nicht mehr wo oben und unten ist, beschwere mich ständig über die Wehen im Rücken und kann weder die Rückenmassage genießen noch was trinken. Die Hebamme meint ich müsse Flüssigkeit zu mir nehmen weil ich so sehr schwitze und mein Mann ständig mit einem Waschlappen den Schweiß von meiner Stirn wischt, aber ich kann nicht. Ich will endlich unser Baby zur Welt bringen, nichts anderes. Ich staune nicht schlecht, als die Hebamme plötzlich meint sie werde nun die Fruchtblase öffnen, weil die Kleine unbedingt raus will und es dann schneller geht. Und noch bevor ich protestieren kann spüre ich schon das Fruchtwasser zwischen meinen Beinen Gut denke ich mir, wenns jetzt nur nicht mehr lange dauert...

Kaum ist der Gedanke gedacht, gehen auch schon die Presswehen los. Ich liege am Rücken, jede andere Stellung ist mir dermaßen unangenehm, dass ich mich sogar dagegen wehre, mich zur Seite zu drehen, damit ich den Geburtskanal frei mache... Ich fühle mich so hilflos, habe keine Ahnung, wann ich pressen soll und wie ich es anstellen soll und frage die Hebamme ständig, was denn zu tun sei. Sie ist total lieb und macht mir bei jeder Wehe Mut. Sie sagt mir ich soll drücken wie auf der Toilette und die halbe Wehe wenn geht veratmen, damit meine Kleine auch genügend Sauerstoff bekommt. Puh, leichter gesagt als getan, ich kann nicht nicht pressen und muss von Glück sprechen, dass unser Zwerg es so eilig hat auf die Welt zu kommen.

Nach wenigen Presswehen ist das Köpfchen zu sehen. Mein Mann ist ganz erstaunt als er den dunklen Haarschopf erspäht und das, obwohl er immer gemeint hat er bleibt am Kopfende vom Bett stehen, alles andere möchte er nicht sehen. Ich bin stolz auf ihn. Er sagt mir dass er das Köpfchen sehen kann und die Kleine bald da sein wird. Die Ärztin spritzt mir noch Kochsalzlösung, weil ich immer noch so sehr schwitze und ich kralle mir die Hand der Hebamme und die meines Mannes für die nächste und letzte Presswehe. Ein Flutschen und unser Baby liegt zwischen meinen Beinen.

Ich kanns nicht glauben, fang an zu weinen und bin zugleich dermaßen fasziniert von diesem kleinen Wunder, das mir auf den Bauch gelegt wird. Sie ist so schön, weder verschrumpelt noch verschmiert und nach einem kurzen lauten Schrei ist sie ganz ruhig und kuschelt sich an mich. Unfassbar, unsere Tochter ist geboren!

Nach einigen Minuten drückt die Hebamme meinem Mann die Schere in die Hand, es ist soweit, die Nabelschnur wird durchtrennt. Seine Hände zittern als er den Schnitt macht, aber er ist der glücklichste Papa auf der ganzen Welt.

Lena-Marie
22. September 2004
0:52 Uhr50 cm
3760 g
36 cm KU

Sie ist ein bisschen Mama, ein bisschen Papa und ganz viel Wunder

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hach, ich erinner mich noch wie mir die Lena mal in den Ausschnitt gespieben hat :D

;-)

Schlaflos hat gesagt…

das hatte ich schon fast wieder vergessen!

es gab schon einige recht tolle momente in den vergangenen vier jahren gel? langweilig wars nie, wenn wir und die kids auf einem haufen landeten ;-)

Vollzeitmutter hat gesagt…

Das war aber ein süßer Bericht. Hab jetzt noch Gänsehaut vom Lesen und muss nun an mein erstes Baby denken, das auch bald vier wird und schon sooooo groß ist.